
Bilder einer entzauberten Welt.
Ich sehe meine Aufgabe als Malerin nicht im Behübschen der Welt, sondern darin, den Menschen mit der Wahrheit zu konfrontieren, vor allem mit jenen Themen unserer Welt, die keinen adäquaten Platz in unserem Weltbild haben, Themen, die man gerne verdrängt, weil es weh tut, hinzusehen.
Dort wo Ecken und Kanten sind, male ich sie, ohne sie zu kaschieren. Wo Schmerz ist, male ich ihn, mit einem Strich, der nicht zögert oder verwischt, sondern als entschiedener Akt der Farb- und Formsetzung.
Meine Bilder sind stets eine Art Innenschau, mit Blick auf meine eigenen Fragen, Gedanken und Gefühle in Verbindung mit unserer Welt.
Gleichzeitig möchte ich mit meinen Bildern Menschen berühren und sie dazu bewegen, die eigenen Gefühle, die meine Bilder beim Betrachten auslösen, zuzulassen. In der Serie „Children of the Universe“ halten uns Kinder als Identifikationsfiguren einen Spiegel vor, der uns mit unseren eigenen Ängsten und Gedanken, aber auch Sehnsüchten konfrontiert. In allen Bildern dieser Serie liegt ein Hauch von Traurigkeit, Angst oder Ambivalenz über den süßen Kindergesichtern. Das stört den Blick der betrachtenden Person, ihre Sehnsucht nach der heilen Welt. Dabei geht es mir nie um die Schuldfrage, sondern um das Wagnis, ungeschminkt einen Blick in den Spiegel zu werfen, sich selbst wieder zu spüren, zu fühlen, was einen bewegt.
Die Serie „Sternenkinder“ handelt von Abschied, Trauer und Loslassen.
Aktuell arbeite ich an der Serie „“Private Rooms“. Diese Serie vermittelt einen versöhnten Blick auf die Welt und das Leben, friedvoll, ruhig und mit einer lebensbejahenden Grundstimmung. Die einst entzaubert geglaubte Welt bekommt in diesen Bildern wieder ihren Zauber des Lebens zurück.
Die Serie zeigt Menschen in privaten Räumen, in denen sie sich unbeobachtet fühlen, in denen sie ganz bei sich selbst sind. Ich habe immer eine ungefähre Vorstellung von der Bildsituation, die ich malen möchte, auch wenn sich das Bild während des Malprozesses immer wieder verändert. In meinem Fotostudio zuhause mache ich gemeinsam mit meinem Mann Fotos vom Modell in der Pose, die ich mir vorstelle. Beim Malen erfinde ich dazu einen Raum, in dem die Person sitzt, liegt oder steht. Manchmal deute ich nur den Raum an und gebe so der betrachtenden Person die Möglichkeit, den Raum in der eigenen Vorstellung weiterzumalen. Dabei will ich aber nie an der Oberfläche bleiben, sondern mich einfühlen in die Person, die male und die jeweils entsprechende Farbstimmung einfangen. Eine der wichtigsten Aufgaben als Malerin ist nach wie vor, authentisch zu sein und das zu malen, was mich im Innersten bewegt, das über das Sichtbare hinausgeht.
Regina Altmann, 2026